Vom Bewusstsein zum Gewiss-Sein

Vor über 40 Jahren wollte es der Zufall (magische Qualität), dass ich mich für Jean Gebsers Kulturphilosophie zu interessieren begann. Im Jahre 1985 schrieb ich meine Masterthesis zum Thema: „Die Anthropologie Jean Gebsers und ihre pädagogische Relevanz“, später im Jahre 1995 meine Diplomthesis am C.G. Jung-Institut: «Frauen-Liebe» als Weg zum Integralen Bewusstsein».

Die vergangenen Jahrzehnte stellte sich mir, auch auf dem Hintergrund meiner Psychotherapeutischen Tätigkeit, immer intensiver und fokussierter die Frage: Was braucht es um am Integralen Bewusstsein, welches für GEBSER göttlichen Ursprungs ist, teilhaben zu können? Erstmals geht es darum, dass ich die von GEBSER beschriebenen drei Bewusstseinsstrukturen (die magische, die mythische und die mentale) in meinem Leben bewusst wahrnehmen kann und dabei erkenne, dass die magische und mythische Bewusstseinsstruktur unbewusst bleibt und ist, die mentale hingegen unsere ICH-Entwicklung unser Bewusstsein, unser Denken ausmacht.

Aktuell wird dieses defizient gewordene Denken von der KI «abgelöst», d.h. es ist für die Orientierung in Raum und Zeit nicht mehr allein der gültige Massstab. Die KI stellt unser Denken in Frage, indem es sich als zu langsam zeigt, somit der aktuellen Zeitqualität nicht mehr entspricht. Für den einzelnen Menschen bleibt, will er nicht in der Vermassung stehenbleiben, sich an den Ursprung, welcher geistiger Art ist, zurückzubinden, sich von IHM durchdringen, durchleuchten zu lassen. Es wird uns auch möglich werden, der LIEBE ansichtig zu werden, die der KI entgegensteht.

Die Bewusstwerdung der oben erwähnten Bewusstseinsqualitäten erfordert eine offene, ja neugierige Konfrontation mit Schmerz, Dunkelheit, Ohnmacht und Hilflosigkeit, letztlich in der Erfahrung unserer menschlichen Begrenztheit. In dieser Situation zeigt sich, dass unsere eigenen Pläne, Hoffnungen, Ideale zusammenbrechen, letztlich auf Sand gebaut sind, Sinn-los sind. Das Bewusstwerden und Durchleiden dieser Tatsache, lässt mit der Zeit (den bewusst gewordenen Zeitqualitäten) das Gewiss-Sein des Geistigen in uns wahrnehmbar werden. Dieses Gewiss-Sein ist ein gleichzeitiges Erfahren, ein Erleben, ein Erkennen des Ursprungs welcher sich als geistig-liebende Hingabe offenbart, welche von uns empfangen werden muss.

Diese Hingabe entspricht einer «weiblichen Haltung», eines empfangenden Bewusstseins, welches heute unabhängig vom Geschlecht entweder verkümmert ist oder aus Angst vor Kontrollverlust ignoriert wird. In diesem Zusammenhang habe ich von den MystikerInnen Edith Stein, Simone Weil, Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz und den Evangelien prägende Impulse, Klärung empfangen dürfen. Edith Stein (1891 – 1942):

«Wer sich selbst nicht ganz in der Hand hat, der kann nicht wahrhaft frei verfügen, sondern lässt sich bestimmen.» Nur der Mensch kann wirklich lieben, der sich selbst akzeptiert und besitzt. »

«Nur Gott kann eines Menschen Hingabe ganz empfangen und so empfangen, dass der Mensch seine Seele nicht verliert, sondern gewinnt. Und nur Gott kann sich selbst einem Menschen so schenken, dass er dessen ganzes Wesen erfüllt und dabei von sich selbst nichts verliert.»

Mein Lebensweg

Einer sich bewegenden Spirale gleich hat mein beruflicher Werdegang meine Lebens- Themen aus dem Bereich der Pädagogik, Psychologie, Theologie (Spiritualität, Religion) immer wieder aufgegriffen und so meine Entwicklung der Persönlichkeit geprägt. Der Pädagogik kam dabei eine zentrale Bedeutung zu, da in ihr das wichtigste Element in meinen Leben, die Beziehung, das Verbindende im Zentrum stand und steht. Das Leben war und ist für mich ein pädagogischer Prozess der letztlich auf eine Beziehung zum Sinn hin angelegt ist. Dabei prägte mich der Individuationsprozess wie C.G. Jung ihn beschreibt am meisten (Aufnahme 1. Analyse 1970!). Die Ausbildung später zur jungschen Psychotherapeutin war eine Folge davon. Thema damals war das Heilen von zerbrochenen Verbindungen, Beziehungen. Mein Leben lebte ich als Aussenseiterin u.a. im Sinne der Unmöglichkeit mich an Normen anzupassen.

Mein kürzlich hergestelltes Logo der Kreises mit den vier Farben soll meinen Lebensweg darstellen. Ich verstehe ihn im Sinne eines Ringens mit unbewussten Persönlichkeitsanteilen, einseitigen Prägungen die ich integrieren musste. Darin „vermalt“ sind aber auch die Anerkennung meiner anlagemässig ausgeprägten Persönlichkeitsstilen (PSI-Diagnostik).

In der Mitte ist der Kreis mit dem Kreuz: Ohne Erfahrung des Kreuzes, das Aushaltens und integrieren von Gegensätzen findet keine Persönlichkeitsreifung (Kuhl), keine Teilhabe am integralen Bewusstsein (Gebser) oder die Erfahrung des SELBST statt.